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Markenunternehmen : „Was den akademischen Grad angeht, sollte es schon ein Master sein“

  • -Aktualisiert am

Bild: Privat

Denise und Heiner Tennie haben sich mit ihrer Personalvermittlung HFT Consulting auf die Fashionbranche spezialisiert und wissen: Hier zählt die Liebe zum Produkt.

          Frau Tennie, Herr Tennie, welche Aufgaben warten in der Fashionbranche auf Wirtschaftswissenschaftler?

          Zum einen gibt es klassische Positionen im Controlling und in den Finanzabteilungen. Spannend sind aber auch Funktionen, in die Absolventen von Wirtschaftsstudiengängen sich hineinentwickeln können und die dann einen stärkeren Bezug zum Produkt oder zur Verkaufsfläche haben: in Einkauf, Vertrieb oder der Warenbewirtschaftung beispielsweise.

          Reicht dafür ein Wirtschaftsstudium? Oder müssen Bewerber bereits Erfahrung in der Branche haben?

          Was den akademischen Grad angeht, sollte es schon ein Master sein. Bachelorabschlüsse reichen den Personalverantwortlichen selten. Bewerber, die sich für Stellen mit Produkt- oder Flächenbezug interessieren, haben idealerweise auch noch eine Ausbildung im Einzelhandel oder zumindest Praktika bei einem Modeunternehmen oder -händler absolviert. Ein Pluspunkt im Lebenslauf sind sicherlich auch Nebenjobs in der Branche. Sie zeugen von Engagement und von dem Wunsch, finanziell unabhängig zu sein.

          Stichwort Finanzielles: Mit welchen Einstiegsgehältern können Wirtschaftswissenschaftler in der Fashionbranche denn rechnen?

          40.000 bis 50.000 Euro, wobei Handelsketten erfahrungsgemäß etwas weniger zahlen als die Industrie.

          Es heißt, dass der jungen Bewerbergeneration das „Drumherum“ oftmals wichtiger ist als das Gehalt. Was hat die Branche diesbezüglich zu bieten?

          Das kommt natürlich ganz auf die Größe und die Philosophie des jeweiligen Unternehmens an. Sportartikler haben eigene Fitnessstudios, manchmal gibt es kostenlose Kosmetikberatungen, in großen Konzernen sogar eigene Kindergärten. Die Regel ist es allerdings nicht. Üblich sind durchaus Zuschüsse zum Bahnticket und zur Kinderbetreuung sowie natürlich der Personalkauf …

          … der es den Mitarbeitern ermöglicht, die Produkte ihres Arbeitgebers günstig zu erwerben. Das stärkt die Identifikation mit der Marke. Ist es denn auch schon beim Bewerbungsgespräch wichtig, etwa zu Nike in Nikes zu kommen?

          Der Dresscode ist in der Fashionbranche deutlich lockerer als anderswo. Hier ist es völlig okay, in einer ordentlichen, dunklen Jeans und einem modischen Hemd oder einer modischen Bluse zu erscheinen. Eine Krawatte – wenn sie nicht modisch interpretiert ist – disqualifiziert. Saubere und gepflegte Sneaker sind in Ordnung. Bei Nike sowieso.

          Was sollten Young Professionals, die sich für die Mode- und Lifestylebranche interessieren, neben einem Gespür für Trends noch mitbringen?

          Sie wollen auf die Soft Skills hinaus. Kommunikationsstärke, Verlässlichkeit, Teamfähigkeit sind in der Fashionbranche genauso wichtig wie überall sonst. Außerdem zählt die Liebe zum Produkt, die man – sollte man später Führungspositionen übernehmen – auch seinen Mitarbeitern vermitteln können muss.

          Welche leitenden Funktionen können Wirtschaftswissenschaftler übernehmen? Welche Aufstiegs- und Karrierechancen gibt es?

          Das hängt davon ab, ob jemand der „reine“ Kaufmann ist oder einen Produkt- und Flächenbezug wünscht. Ist Letzteres der Fall, bieten sich leitende Positionen im Vertrieb an – für bestimmte Regionen oder international. Kaufmännisch orientierte Mitarbeiter finden ihre Aufgaben oft im Business-Development. Insgesamt sind für Wirtschaftswissenschaftler bis zu Geschäftsführung und Vorstand alle Wege offen.

          Das Interview führte Julia Bröder.

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