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Berufseinsteiger erzählen : „Die kooperierenden Firmen waren offen für meine Fragen und Wünsche“

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Markus Nolte, 29, hat seinen Master Internal Economics and Business (M.Sc.) 2015 an der Universität Utrecht abgeschlossen. Bild: Freudenberg

Markus Nolte, 29, ist Corporate Manager bei Freudenberg Home and Cleaning Solutions. Im Interview erzählt er, warum er seine Masterarbeit im Unterehmen geschrieben hat.

          Markus, welche Rolle spielt dein wirtschaftswissenschaftliches Studium für deine heutige Tätigkeit?

          Meine Hauptaufgaben liegen im Bereich Reporting, in der Ausführung von internen Audits im Bereich QHSE sowie im Nachhaltigkeitsmanagement. Dabei muss ich unternehmerisch denken und meine Aufgaben anhand eines Business-Case umsetzen. Hilfreich ist es, dass ich das Arbeiten in Teams, die Zusammenarbeit mit Kommilitonen aus unterschiedlichen Ländern und die Umsetzung von Ideen in konkrete Projekte schon aus dem Studium kenne.

          Du hast deine Masterarbeit im Unternehmen geschrieben. Warum?

          Ich habe meine Masterarbeit mit Hilfe von acht verschiedenen Unternehmen geschrieben. Es ging um das Thema Nachhaltigkeit in deutschen Dax-Konzernen. Da dies ein recht junges Thema ist und mich vor allem die praktische Umsetzung sowie das Reporting interessierten, bot sich diese Vorgehensweise an. Überprüfen wollte ich, ob es generelle firmenübergreifende Übereinstimmungen bei dem Thema gibt und wie sich die Umsetzung und die Nachhaltigkeitsorganisationen innerhalb der Unternehmen unterscheiden. Vor allem die Nachhaltigkeit in der Lieferkette, also faire Arbeitsbedingungen, Umweltschutz sowie die enge Zusammenarbeit mit den Partnern, war allen Unternehmen wichtig.

          Haben sich deine Erwartungen erfüllt?

          Die kooperierenden Firmen waren offen für meine Fragen und Wünsche und standen mir während der ganzen Zeit zur Seite. Die Ergebnisse der Arbeit durfte ich den Managern am Ende sogar vorstellen. Mit einigen Interviewpartnern bin ich bis heute in Kontakt.

          Was sind die Vor- und Nachteile einer Masterarbeit im Unternehmen?

          Jedes Unternehmen hat seine eigenen Strukturen und Geschäftsabläufe, die man im Laufe einer Masterarbeit gut kennenlernen kann. Als Masterstudent hat man die Möglichkeit, sich ein internes Netzwerk aufzubauen und in verschiedene Bereiche reinzuschnuppern. Durch die begrenzte Zeit konnte ich jedoch immer nur an der Oberfläche kratzen.

          Wie verlief der Übergang von der Masterarbeit in den Beruf?

          Mit der Abgabe meiner Masterarbeit habe ich direkt in der Konzernzentrale von Freudenberg angefangen. Dort lagen meine Hauptaufgaben in der Mitarbeit am Global-Compact-Fortschrittsbericht und bei der Entwicklung der betriebsinternen Nachhaltigkeitsstrategie. Da sich ja mein Masterthema stark mit den Tätigkeiten überschnitt, wurde mir der Übergang leichtgemacht. Außerdem hatte ich das Glück, zu Anfang mit einem langjährigen Mitarbeiter ein Büro zu teilen. Er kannte den Konzern natürlich in- und auswendig und hat ihn mir nähergebracht.

          Was hast du dir anders vorgestellt, was hat dich überrascht?

          Überrascht haben mich die Wartezeiten bei der Durchführung von einigen Projekten. Für viele Informationen habe ich ganz bestimmte Ansprechpartner, die allerdings parallel in andere große Projekte eingebunden sind. Da die Projekte insgesamt aufwendiger sind als an der Universität, dauert es oft länger bis sie zum Abschluss kommen.

          Was würdest du Wirtschaftsstudenten für ihre Karriere raten?

          Ich kann jedem raten, ein Praktikum oder einen Universitätskurs abseits der klassischen BWL-Kurse zu absolvieren. Das erweitert den Horizont und ermöglicht es, wirtschaftliche Zahlen genauer zu interpretieren – und schlussendlich bessere Entscheidungen zu treffen. Dies gilt sowohl im Studium als auch im Unternehmen. Ich habe an der Uni zum Beispiel die Kurse „Ethik“ und „Deutsch-Irische Geschichte“ belegt.

          Markus Nolte, 29, ist Corporate Manager im weltweiten Bereich Qualitätsmanagement und Gesundheits-, Arbeits- und Umweltschutz (QHSE) bei Freudenberg Home and Cleaning Solutions. Die Geschäftsgruppe gehört zum Technologiekonzern Freudenberg. Seinen Bachelor hat Nolte an der Universität Bayreuth gemacht. Seinen Master Internal Economics and Business (M.Sc.) hat er 2015 an der Universität Utrecht abgeschlossen.

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