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Adidas und Co. : Hip wie die Marke selbst

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Mit Adidas-Schuhen bei Adidas: Nicht nur bei den großen Markenunternehmen ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter mit dem Produkt identifizieren. Bild: Adidas

So dynamisch wie die Fashion- und Lifestylebranche selbst sollten auch ihre Mitarbeiter sein – nicht nur in der Produktentwicklung, sondern auch in den klassischen Bereichen wie im Vertrieb und Controlling.

          Lohn und Brot ist nicht mehr alles. Heute suchen junge Arbeitnehmer nach Jobs, mit denen sie sich identifizieren können – Aufgaben, die zu ihren Persönlichkeiten passen, bei Unternehmen, hinter deren Werten und Produkten sie stehen. Die Bewerbungsverfahren laufen dann nicht mehr einseitig ab – denn überzeugen müssen nicht nur die jungen Kandidaten, sondern auch ihre zukünftigen Chefs. Aaron Ture etwa suchte nach seinem Wirtschaftsstudium nach einer Stelle, bei der er sein Interesse an Fashion und Outdoorsport ausleben können und in einem internationalen und interkulturellen Umfeld arbeiten würde. Gefunden hat er sie bei Adidas. Mit Abschlüssen in International Business und China-Studien sowie einem Master im Bereich Brand & Fashion Management ist der 28-Jährige jetzt Trainee Global Brand bei dem Sportartikelhersteller in Herzogenaurach.

          Bereits nach dem Abi absolvierte Aaron Ture ein Freiwilliges Soziales Jahr in Laos, verbrachte später auch während seines Studiums sechs Jahre in anderen Teilen Asiens, hauptsächlich in China. Außerdem arbeitete er studienbegleitend als Freelancer für Fashion-Events und machte Praktika im Marketing – und war damit bestens darauf vorbereitet, die Lifestylemarke Adidas global voranzutreiben.

          Trainees bei Adidas

          Aber auch für Wirtschaftswissenschaftler ohne einen expliziten Fashion- oder Sportfokus gibt es bei Adidas spannende Aufgaben – in den Bereichen Human Resources oder Finance, in der Supply Chain oder im Marketing, in der IT und im Digitalen. Was man dafür mitbringen muss? Einen Bachelor oder Master sowie einen hohen Grad an Identifikation mit dem zukünftigen Arbeitgeber. „Wir erwarten eine gute Vorbereitung, eine aussagekräftige, vollständige Bewerbung mit den geforderten Unterlagen in englischer Sprache, eine Leidenschaft für unsere Marken und für Sport sowie Kreativität, Selbstvertrauen und Teamgeist“, erklärt Kristina Schulte, Senior Recruiter Future Talent bei Adidas. Gegen wie viel Konkurrenz man damit antreten muss, variiert je nach Stelle und Bereich – wenige sind es jedenfalls nicht. Für das Traineeprogramm 2018 gab es über alle Funktionsbereiche hinweg mehr als 2.000 Bewerbungen. In jedes Assessmentcenter werden schließlich 15 bis 20 Kandidaten eingeladen, bei den tatsächlichen Einstellungen von Trainees ist Adidas eher zurückhaltend. „Bei guter Leistung bieten wir unseren Mitarbeitern eine Übernahmegarantie an. Deshalb bilden wir auch immer nur so viel aus wie wir auch nach dem Programm weiterbeschäftigen können“, erklärt Schulte. Berücksichtigen kann sie dabei ausschließlich Bewerbungen über die Adidas-Karriereseite, keine initiativen Anschreiben. Von Vorteil sind dabei internationale und praktische Erfahrung, wenn man als Trainee einsteigt, aber auch sonst. „Am Ende überzeugt immer der Mensch als Ganzes“, betont Schulte, die ihren Bewerbern für Einsteigerprogramme häufig spezielle Aufgaben stellt. Das kann ein Video sein, in dem die Kandidaten in 90 Sekunden erklären, warum sie sich bewerben, oder ein kurzer Essay, in dem sie mit Unternehmenswerte Creativity, Collaboration & Confidence für sich interpretieren sollen.

          Hands-on also lautet das Gebot in der Branche. Akademische Abschlüsse zählen nur bis zu einem bestimmten Grad – ein promovierter Wirtschaftswissenschaftler wird es eher schwer haben, hier Fuß zu fassen. Zum einen, weil die Branche selbst eher praktisch als akademisch ist, zum anderen, weil sie mit Einstiegsgehältern von rund 40.000 bis 50.000 Euro nicht das zahlen, was ein Young Professional mit Doktortitel üblicherweise erwartet. Relevant könnte eine vorhandene Promotion erst werden, wenn es um oberste Managementpositionen oder Vorstandsposten geht.

          Identifikation muss sein

          Fashion- und Lifestylefirmen wollen Mitarbeiter, die sich mit ihren Produkten sichtbar identifizieren. Sportartikler suchen nach Talenten, die sich in ihrer Freizeit viel und gern bewegen; Modemarken wollen Young Professionals, die sich „hip“ kleiden – und zwar nicht nur die Designer und Produktentwickler, sondern auch die Controller, Finanzmanager und Vertriebsverantwortlichen.

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