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Potentialanalyse : Das Potential zählt

  • -Aktualisiert am

Bild: Sylvia Wolf

Wer zum Assessmentcenter eingeladen wird, kann das schon als großes Kompliment auffassen. Jetzt gilt es, sich unter den Besten zu beweisen. Dabei wollen Unternehmen weniger sehen, was Bewerber schon heute können, sondern vielmehr, wohin sie sich in Zukunft noch entwickeln können.

          „Sie sind zu sechst in einer Höhle eingeschlossen. Das Wasser steigt unaufhaltsam, nur einer von Ihnen kann gerettet werden. Sie haben 30 Minuten, um zu entscheiden, wer der Glückliche sein soll.“ So oder so ähnlich könnte eine Aufgabe für ein Rollenspiel im Assessmentcenter lauten. Keine leichte Aufgabe, und dabei will man auch noch die Erwartungen der Prüfer erfüllen und zeigen, dass man genau der richtige Kandidat für den Job ist. Viele Kandidaten versetzt allein der Gedanke an ein solches Auswahlverfahren in Stress, sie wälzen unzählige Bücher und recherchieren im Internet, wie man sich am besten darauf vorbereitet und was Prüfer von Bewerbern erwarten.

          Authentisch sein

          Personaler und Recruiter selbst empfehlen, sich vor dem Assessmentcenter (AC) nicht verrückt zu machen. Zum einen sei es gar nicht möglich, sich auf alle Tests wie etwa zur kognitiven Leistungsfähigkeit genau vorzubereiten. Zum anderen bestehe schnell die Gefahr, dass sich ein Kandidat nicht mehr realistisch präsentiert, sondern etwa die Meinung irgendeines Ratgeberautors wiedergibt. „Unternehmen wünschen sich am meisten, dass sich die Bewerber so zeigen, wie sie wirklich sind, und keine Rolle einnehmen, der sie eigentlich nicht entsprechen“, sagt Hans Ochmann, Geschäftsführer von Kienbaum Consultants International und verantwortlich für das Geschäftsfeld Human-Ressource-Management. Außerdem sei es für viele Arbeitgeber heute wichtiger zu sehen, wohin sich ein Kandidat in Zukunft noch entwickeln kann, als ihn allein an seinen aktuellen Fähigkeiten zu messen.

          Anders gesagt: In Bewerbungsrunden geht es heute häufig vielmehr um eine Potential- als um eine Kompetenzanalyse. „Und das gerade bei jungen Bewerbern, die noch nicht so viel Praxiserfahrung mitbringen“, sagt Ochmann. „Das Arbeitsumfeld von heute wird immer dynamischer und komplexer, ständig gibt es Veränderungen. Um damit umgehen zu können, helfen Kompetenzen nur bedingt.“ Die Potentialanalyse vermittle dagegen einen guten Eindruck, wie sich ein Bewerber auf immer neue Bedingungen einstellen könne.

          Doch was heißt Potentialanalyse genau? Und was ist der Unterschied zu den Kompetenzen? Zu den Kompetenzen zählen in der Regel Dinge wie Kommunikations- und Durchsetzungsfähigkeit, Führungsvermögen und ein gutes Konfliktmanagement. „Bei den Potentialen schaut man dagegen zum Beispiel, welche Lern- und Veränderungsbereitschaft jemand mitbringt, ob eine Feedbackaffinität vorhanden und wie ausgeprägt das analytische Denken ist“, so der Experte. Letzteres meint in der Regel, wie man mit Komplexität umgeht, wie man sich dabei einen Überblick verschafft und erkennt, welche Informationen und Details wirklich wichtig sind. Zudem zählt Ochmann auch Gestaltungswillen und eine sogenannte soziale Variabilität dazu. Beim einen wird geschaut, wie motiviert jemand ist, Einfluss auf Prozesse und Menschen zu nehmen und den Dingen eine eigene Note zu verleihen. Beim anderen geht es darum, je nach Situation mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zu diskutieren, sowohl sachlich als auch auf der Beziehungs- und Gefühlsebene.

          Gute Vorbereitung auf das Assessmentcenter

          Entsprechend diesen Anforderungen kann man sich zumindest ein Stück weit auf die Tests im Assessmentcenter vorbereiten. Was es dabei zu beachten gilt, zeigt die folgende Checkliste im Überblick:

          Tief ein- und ausatmen. Die Einladung zum Assessmentcenter sollte niemanden in Panik versetzen. Vielmehr ist sie als großes Kompliment zu verstehen und zeigt, dass man mit seinen Fähigkeiten und Erfahrungen grundsätzlich für die Stelle geeignet ist. Das Unternehmen ist also interessiert, will mehr erfahren und lässt sich das einiges kosten – die Erstellung eines AC kostet in der Regel mehrere zehntausend Euro.

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