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Start-ups : Die Effizienztreiber kommen

  • -Aktualisiert am

Während Axoom aktuell eher nach Mitarbeitern mit mehrjähriger Berufserfahrung sucht, etwa einem Projektmanager für den Servicebereich oder einem technischen Leiter für die Entwicklung von Produkten und Software, werden in klassischen Start-ups oftmals Hochschulabsolventen rekrutiert. „Das passt zur steilen Lernkurve und zum Einsteigergehalt“, erläutert Paul Wolter, Sprecher des Bundesverbands Deutsche Startups e. V. Der Vorteil für beide Seiten liegt auf der Hand: Mitarbeiter sind von Anfang an dabei, helfen, etwas aufzubauen, steigen schnell auf und bekommen rasch Verantwortung. „Wer in kurzer Zeit möglichst viel Erfahrung sammeln und sich persönlich entfalten will, der ist in einem Gründungsunternehmen richtig“, so Wolter.

Diversität bei Inveox

Sievert achtet allerdings auch auf Diversität. Der jüngste Mitarbeiter sei 18 Jahre alt, der älteste 64 Jahre, erläutert der Gründer. Er beschäftigt Menschen aus elf Nationen mit den verschiedensten Qualifikationen: vom Ingenieur der Elektrotechnik über den Medizininformatiker bis hin zum Sprachwissenschaftler. „Das Konzept geht auf: Wir verbinden junge Menschen, die am Puls neuester Technologien forschen, mit älteren, die junge Kollegen als Mentoren in ihrer Entwicklung fördern.“ Hier gilt: Selbständiges Arbeiten, Anpacken und Lernwille sind wichtiger als die zwanzigste Programmiersprache im Lebenslauf. „Hire for attitude – train for skills“ ist Sieverts Motto.

Zahlen, Daten, Fakten
Start-ups im Digitalisierungsbereich
  • Mehr als 80 Prozent der deutschen Start-ups tummeln sich im Sektor der Digitalisierung.
  • Mit industriellen Technologien, zu denen alles gehört, was mit Industrie 4.0, Produktion, Automatisierung und Messtechnik zu tun hat, beschäftigen sich rund 9 Prozent der Start-ups.
  • Start-ups schaffen durchschnittlich 13,2 Arbeitsplätze (inklusive Gründer). Durchschnittlich 7,5 Mitarbeiter sollen je Start-up 2018 neu eingestellt werden.
  • Die Technische Universität München ist die Top-Gründer-Hochschule 2017, wenngleich sich die Gründer auf viele verschiedene Hochschulen verteilen.
Quelle: Deutscher Startupmonitor 2017

Den Trend, dass schnell wachsende Kleinunternehmen sich oft schlank halten und Kompetenzen eher outsourcen, als Mitarbeiter einzustellen, kann der Inveox-Mitgründer Sievert nicht bestätigen. Als dynamische Firma im Automatisierungsbereich stellt er durchaus Mitarbeiter fest ein. Binnen weniger Monate vergrößerte er sein Team auf zwölf festangestellte Vollzeitmitarbeiter, im April kamen vier weitere dazu.

Wichtig ist ihm bei der Einstellung, das Potential des Menschen zu sehen. „Der Bewerber muss ins Team passen und sich weiterentwickeln wollen“, erläutert Sievert. Motivation und Dynamik sind dabei wichtiger als ein stromlinienförmiger Lebenslauf, die Note oder ein Auslandssemester.

Die Chemie muss stimmen

Bei dem Start-up Vreo, das automatisiert dynamische Werbeeinblendungen in Computerspielen ermöglicht und dessen Algorithmen ohne weiteres Zutun jede Art von Interaktion des Spielers mit der Werbung erfassen und auswerten, setzen die Verantwortlichen ebenfalls auf besondere
Eigenschaften, statt den Lebenslauf zu konsultieren. „Motivation spielt eine große Rolle, Begeisterung für ein Thema kann vieles kompensieren“, sagt Geschäftsführer Andreas Schemm. Da die Chemie wichtig ist, sollten Menschen mit seinem Team harmonieren. „Es muss einfach passen“, so der 31-Jährige. Hervorzuheben seien transparentes Arbeiten, die Größe, Fehler einzugestehen, und der Fokus auf praktische Lösungen.

Und was ist dran an den gängigen Vorurteilen von viel Arbeit bei geringem Gehalt und wenig Sicherheit? Manches davon mag stimmen. Wenn Konzerne Start-ups ins Leben rufen, lassen sie die neuen Mitarbeiter nicht unbedingt an den Sicherheiten und Annehmlichkeiten der großen Firma teilhaben. So sind bei den Technologie-Startern Tarifverträge beispielsweise selten zu finden. Neugründungen im technischen Bereich zahlen aber nicht grundsätzlich weniger Gehalt als der Rest der Branche. „Inzwischen müssen Gründer genauso wettbewerbsfähige Gehälter zahlen wie andere. Denn die Konkurrenzsituation um Talente ist hart. So kann das Einkommen bei Start-ups meist im jeweiligen Branchendurchschnitt mithalten“, sagt Wolter vom Start-up-Bundesverband. Darüber hinaus bieten sie teilweise Zusatzanreize, wie etwa Unternehmensbeteiligungen, Gewinnausschüttung oder einen besonderen Titel auf der Visitenkarte.

Pro und Contra: Arbeiten bei einem Start-up

Pro

 
innovative Vergütung, etwa in Form
von Benefits oder Unternehmens­beteiligungen

hohe Lernkurve

Transparenz

von Anfang an dabei; etwas „erschaffen“

junges Team

flache Hierarchie

 

Contra

 
keine überdurchschnittlich hohen Gehälter

hohe Arbeitsbelastung

Druck durch ungefilterten Informationsfluss

wenig Sicherheit (die Hälfte aller Start-ups erlebt das fünfte Jahr nicht)

wenig Möglichkeit, sich an erfahrene
Kollegen zu wenden

wenige Karrierestufen

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