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Start-ups : Die Effizienztreiber kommen

  • -Aktualisiert am

Bild: Getty Images/yoh4nn

Die Automatisierung ist so traditionell wie die industrielle Fertigung selbst. Gerade Start-ups bringen neuen Wind in den Bereich und sind attraktiv für junge Mitarbeiter.

          Im Oktober 2015 gründete die Trumpf GmbH in Ditzingen bei Stuttgart, einer der größten Anbieter von Fertigungslösungen in den Bereichen Werkzeugmaschinen, Lasertechnik und Elektronik, das Tochterunternehmen Axoom. Das Team aus Hosting-Experten, Mechatronikern, Softwareentwicklern, Projektingenieuren, Prozess- und Lean-Beratern bietet produzierenden Unternehmen auf einer digitalen Geschäftsplattform an, was man unter dem Begriff Industrie 4.0 zusammenfassen kann: moderne Konzepte zu Smart Factory, Lean-Management-Methoden sowie zukunftsorientierte Technologien zum weltweiten Maschinen-Monitoring. Unter anderem zählt dazu das sogenannte Enterprise-Resource-Planning (ERP)-System, das Maschinen-, Produktions- und Unternehmensdaten des produzierenden Betriebs auf der Cloud-basierten Plattform vernetzt. Es wird zur Steuerung der Produktion sowie zur Kapazitäts- und Ressourcenplanung – beispielsweise bei individueller Fertigung in kleinen Stückzahlen – eingesetzt. Das Ergebnis: Fehler werden vermieden, Synergieeffekte genutzt und somit die Effizienz gesteigert. Neben namhaften Auszeichnungen gewann Axoom gerade einmal ein Jahr nach seiner Gründung 2016 den „Innovationspreis der deutschen Wirtschaft“.

          Die Symbiose von traditionellen Unternehmen und angedockten Kleinunternehmen scheint erfolgversprechend. Im flexiblen und innovativen Umfeld entwickeln die Neugründungen technische Lösungen, die in den festen Strukturen der großen Konzerne so nicht möglich wären. Die Entwickler berichten oftmals direkt an die Geschäftsführer, umgehen auf diese Weise die klassischen Entscheidungshierarchien und agieren schnell. So bleiben die Technologieriesen durch Innovationen wettbewerbsfähig.

          Einblick in die Arbeit bei Inveox: Hier werden individuelle Teile für die Vorseriengeräte gefertigt.

          Die Produktion vernetzen

          Der Trend ist zwar nicht ganz neu, allerdings gerade in den vergangenen Jahren auch im Automatisierungs- und Fertigungsbereich angekommen – dabei geht es oft um vernetzte Produktion, um Kommunikationsprinzipien in der Herstellung von Bauteilen oder um Big Data, wie Axoom eindrücklich zeigt. So hat beispielswiese auch die Robert Bosch GmbH  mittlerweile eine ganze Reihe von Technologie-Neugründungen unter ihre Fittiche genommen, darunter Start-ups wie Deepfield Robotics und das IoT-Start-up Consult & Connect.

          Doch neben den an Konzernstrukturen angehängten Start-ups gibt es auch zahlreiche eigenständige Start-ups, die in den Bereichen Automatisierung und Fertigung erfolgreich sind. Ein prominentes Beispiel unter diesen Neugründungen ist die Medizintechnikfirma Inveox aus Garching bei München. 2017 gegründet, räumte sie seitdem bei zahlreichen Businessplan-Wettbewerben ab. „Ein gutes Gefühl, wenn Profis mein Fundament auf Standfestigkeit prüfen und es für gut befinden“, erzählt Mitgründer Dominik Sievert, der unter anderem molekulare Biotechnologie an der TU München studiert hat.

          Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt radikal
          Schon heute entstehen täglich neue Vernetzungslösungen, die enormes Optimierungspotential für die industrielle Fertigung bieten.
          Quelle: Trumpf

          Sein Unternehmen hat einen intelligenten Behälter für Gewebeproben entwickelt, die beispielsweise zur Krebsdiagnose entnommen werden. Dieser Behälter ist für ein automatisches Handling im Labor ausgelegt. Mehrere hundert Probengefäße müssen jeden Tag im Labor umgepackt, beschriftet, kontrolliert und die Probeninformationen in das Laborinfomationssystem übergeben werden. Mit dem innovaticen Container, dem Automaten für den Probeneingang und einer Daten- und Kommunikationsplattform, die den einsendenden Arzt sowie das Pathologie-Labor verbindet, hilft Inveox dabei, Fehler bei der Krebsdiagnose zu verhindern. Die drei Komponenten des Automatisierungssystems sind voneinander unabhängig nutzbar und lösen jeweils ein Kernproblem. Bei vollständiger Nutzung entfalten sie die größte Wirkung: Patientensicherheit und eine Effizienzsteigerung von 50 bis 70 Prozent im Probeneingang. Das kann bei mittelgroßen Laboren einen Gegenwert im Bereich von mehreren hundertausend Euro an Einsparpotential pro Jahr bedeuten. In größeren Instituten, wie Unikliniken entsprechend mehr.

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