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Stiftungen : „Wichtig ist Kompetenz, aber auch die persönliche Haltung“

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Berit Sandberg ist Professorin für Public und Nonprofit-Management an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Bild: Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin

Berit Sandberg, Professorin für Public und Nonprofit-Management an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, über den Berufseinstieg bei Stiftungen.

          Frau Sandberg, mit welchen Zielen starten junge Leute in ein Nonprofit-Management und Public-Governance-Studium?

          Man kann schon sagen, dass die meisten sich sehr gezielt für dieses Studium entscheiden und sich wünschen, einmal im Non-Profit-Sektor zu arbeiten. Neben denjenigen, die wir aus unserem Bachelorstudiengang übernehmen, bewerben sich viele Studierende mit BWL- oder rechtswissenschaftlichem Bachelor für unseren Master. Sie haben sich bewusst umorientiert und sehen ihre Zukunft im Berufsfeld der Non-Profit-Organisationen, zu denen auch Stiftungen zählen. Warum das so ist? Dahinter steckt die Attraktivität dieser Organisationen. Sie sind Arbeitgeber, bei denen der Einzelne eine sinnhafte Tätigkeit ausüben kann.

          Welche Kompetenzen sollte man sich – unabhängig vom Studienfach – aneignen, wenn man bei einer Stiftung einsteigen möchte?

          Zwei Dinge sind aus meiner Sicht wichtig: Kompetenz, aber auch Haltung. Zunächst einmal sollte man sich ein gewisses Wissen aneignen, wie Stiftungen funktionieren. Dass der Einfluss der Stifter, vor allem, wenn sie noch leben, bei den meisten Stiftungen noch spürbar ist, ist nur ein Aspekt. Die Stiftungslandschaft ist grundsätzlich sehr vielfältig. Nur wenige sind mit etwa 100 Mitarbeitern wirklich groß. Der große Rest sind kleinere Stiftungen, die mindestens genauso interessant sind. Dort sind allerdings meist Generalisten gefragt. Man sollte sich also im Tätigkeitsfeld selbst, aber auch mit dem Zweck der Stiftung sowie mit kaufmännischen und rechtlichen Themen auskennen.

          Fast noch wichtiger ist aber aus meiner Sicht der zweite Punkt: die persönliche Haltung. Da das Gehaltsgefälle zur freien Wirtschaft sehr stark ist, gilt es zu überlegen, ob man die richtige intrinsische Motivation für das Berufsfeld mitbringt. Wer etwas bewegen will, etwas Gutes tun will, ist bei Stiftungen gut aufgehoben.

          Wie findet man Stellen im Stiftungsbereich?

          Das ist nicht ganz so leicht, da die meisten Stellen informell vergeben werden. Größere Stiftungen schreiben Stellen, vor allem höhere Positionen, zwar aus, und es gibt auch eine Stellenbörse des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, aber das ist nicht das Gros der Stellen. Berufseinsteiger sollten ihre Kontakte pflegen. Als studentische Mitarbeiter oder über ein Praktikum Stiftungen kennenlernen, sich bekannt machen, einen Fuß in die Tür bekommen – wer das gut macht, kann dann der Erste sein, wenn irgendwo ein neuer Mitarbeiter eingestellt wird.

          Das Interview führte Julia Hoscislawski.

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