https://www.faz.net/-i7g-9atv6

New Work bei Bosch : „Wir honorieren Engagement“

  • Aktualisiert am

Als Geschäftsführer treibt Christoph Kübel den Wandel bei Bosch voran. Bild: Bosch GmbH

Ein Gespräch mit Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei Robert Bosch, über den Wandel in der Arbeitswelt und was sein Unternehmen Berufseinsteigern bietet.

          Herr Kübel, wie macht sich der Wandel in der Arbeitswelt bei Bosch bemerkbar?

          Als innovatives, international aufgestelltes Unternehmen macht sich der Wandel bei uns sehr positiv bemerkbar. Wir haben mittlerweile mehr als 25.000 Softwareexperten im Haus, das ist viel Kompetenz, um neue, vernetzte Lösungen umzusetzen und in den Markt zu bringen. So können wir auch eine Vielzahl von neuen Geschäftsfeldern bedienen. Zum Beispiel verleihen wir über unser Tochterunternehmen Coup Elektroroller in Berlin, Paris und Madrid. Mit unserer neuen Geschäftseinheit Bosch Connected Industry wollen wir das Potential der vernetzten Fertigung optimal nutzen. Schon heute sind relevante Produktionsdaten über mobile Endgeräte schneller abrufbar, was zu einer erhöhten Produktivität der Maschinen führt. Das stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit und die unserer Kunden.

          Die Digitalisierung hat das Entwicklungs­tempo in den vergangenen Jahren immer weiter beschleunigt. Sehen Sie hier ein Ende?

          Nein, im Gegenteil: Dynamik und Geschwindigkeit werden weiter zunehmen. Daher ist es wichtig, zu überlegen, wie wir damit umgehen. Was für eine Organisation brauchen wir? Wie stellen wir die Teams so auf, dass sie auf die Anforderungen von Markt und Kunden schnell und flexibel reagieren können? Gerade in kreativen Bereichen, wie etwa in der Produktentwicklung, haben wir heute schon zahlreiche Teams, die sich selbst organisieren.

          Wie muss man sich das genau vorstellen?

          In Projekten wie dem automatisierten Fahren ändern sich während der Entwicklung häufig die Anforderungen an Hard- und Software. Hier brauchen wir die Kraft und Intelligenz agiler Teams, die sich selbst organisieren und funktionsübergreifend besetzt sind. Die Führungskraft übernimmt dabei die Rolle eines Coachs, eines „Befähigers“, der den Mitarbeitern hilft, zu guten Ergebnissen zu kommen. Einer, der Probleme aus dem Weg räumt, der viel besser als früher Zusammenhänge kommuniziert und der den Sinn der Aufgaben vermittelt. Dabei gilt es, mit Wertschätzung und Vertrauen in die Teams hineinzuhören und weniger als früher selbst zu entscheiden.

          Inwieweit beeinflussen die so oft als Treiber der Unternehmenskultur benannten Digital Natives diese Entwicklungen überhaupt?

          Die Treiber sind vielfältig. Wenn ich mit Digital Na­tives spreche, merke ich, dass sie einen ganz anderen Lebensentwurf haben als ich vor 30 Jahren. Früher stand die Firma im Mittelpunkt. Heute ist die Zahl an Interessen groß – gerade im privaten Bereich mit Familie und Hobbys. Am liebsten wollen die jungen Leute sich allem mit gleicher Intensität widmen. In dem Sinne sind junge Mitarbeiter Treiber einer flexibleren Arbeitskultur. Ein weiterer Treiber sind natürlich die Unternehmen selbst. Ein innovatives Unternehmen wie Bosch will weiter vorankommen. Wir sind überzeugt, dass flexible Arbeitsbedingungen die Innovationskraft des Unternehmens steigern, da sie die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen. Viele Ideen und Innovationen entstehen außerdem nicht am Schreibtisch. Um die Kreativität zu fördern, arbeiten wir nach Design-Thinking-Prinzipien und ermöglichen mobiles Arbeiten von überall. Im Forschungs- und Entwicklungsbereich können unsere Mitarbeiter zehn Prozent der Arbeitszeit als „Concept Time“ nutzen. In dieser Zeit arbeiten die Kollegen nicht an aktuellen Aufgaben, sondern fokussieren sich auf eigene Ideen. Diese Herangehensweisen zahlen zugleich auf unsere Arbeitgeberattraktivität ein.

          Was muss man jungen Mitarbeitern darüber hinaus bieten?

          Da kann ich aus eigener Erfahrung sprechen. Meine drei Kinder sind derzeit Studenten und stellen sich natürlich wie viele junge Leute die Frage, ob es sinnvoller ist, in einem Start-up anzufangen oder in einem Großunternehmen. Die eigentliche Frage ist aus meiner Sicht jedoch eine andere: Mit welchem Unternehmen kann ich mich am besten identifizieren? Welches Unternehmen passt zu meiner Werte-
          orientierung? In welchem Unternehmen kann ich etwas bewegen, indem ich relevante Probleme der Menschen löse? Wo kann ich selbstbestimmt arbeiten und meine Fähigkeiten am besten einbringen?

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.