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Arbeiten mit KI : „Wir setzen bei digitalen Spielen schon lange KI ein“

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Bild: E.A.

Ein Gespräch mit Martin Lorber, Kommunikationschef bei Electronic Arts (EA), über die Rolle von Künstlicher Intelligenz in der Gamingbranche und die Anforderungen an Berufseinsteiger.

          Herr Lorber, was kann Künstliche Intelligenz für die Gamingbranche tun?

          Wir setzen bei digitalen Spielen schon sehr lange Künstliche Intelligenz ein, beispielsweise bei dem Verhalten von Figuren im Spiel, die nicht vom Spieler gesteuert werden. Auch um noch größere, tiefere, interagierende und letztendlich emotionalere Spielwelten zu schaffen oder um das Spielerlebnis noch individueller auf den einzelnen Spieler und seine Bedürfnisse anzupassen, wird KI eingesetzt.

          Wer kümmert sich bei Electronic Arts darum?

          Wir haben mit der Forschungsabteilung SEED, der Search for Extraordinary Experiences Division, ein interdisziplinäres Team innerhalb der EA World­wide Studios, das sich unter anderem damit beschäftigt. Anwendung und Implementierung geschehen aber in vielen Teams weltweit.

          Zum Beispiel?

          Die Fußballer in der Fußball-Simulation FIFA, die der Gamer nicht steuert, werden beispielsweise von einer KI gesteuert. Das ist komplexer, als man zunächst vielleicht vermuten würde. Auch beim Testen der Spielesoftware während der Entwicklung ist KI ein großer Gewinn. Hier mussten früher immer wieder alle möglichen Situationen im Detail nachgespielt werden. Heute kann ein wesentlicher Teil der Arbeit von einer KI übernommen werden, sodass die menschlichen Tester sich nur noch um die wirklich komplizierten Fälle kümmern müssen.

          Was muss man fachlich mitbringen, um bei Ihnen im Bereich KI Karriere zu machen?

          Unsere Mitarbeiter kommen aus unterschiedlichen Studiengängen, viele aus den Bereichen Informatik und angewandte Informatik. Die Absolventen von speziellen, sowohl staatlichen als auch privaten Hochschulen in Deutschland sind exzellent ausgebildet. Das Cologne Game Lab an der TH Köln zum Beispiel ist sicherlich eine der besten Adressen.

          Welche Skills braucht man darüber hinaus?

          Dass man neben Fachwissen auch echte Begeisterung für digitale Spiele mitbringen sollte, versteht sich von selbst. Außerdem braucht man die Fähigkeit, sich in Bedürfnisse von ganz unterschiedlichen Teams und Fachrichtungen hineinzudenken, Teamfähigkeit natürlich – auch in virtuellen Teams –, eine gute Kommunikationsfähigkeit und Englisch.

          Wie sieht der typische Arbeitstag aus?

          Den gibt es eigentlich nicht. Typisch ist aber, dass man innerhalb der Organisation über Länder und Kontinente hinweg in interdisziplinären Teams arbeitet, häufig projektbezogen. Meist besteht die Arbeit zur Hälfte aus der Konzeptionierung, der Absprache mit anderen Teams und der Planung sowie zur anderen Hälfte aus dem eigentlichen Programmieren und Entwickeln.

          Entwickler für Künstliche Intelligenz werden in nahezu allen Industriezweigen gebraucht. Für wen ist ein Einstieg in die Gamingbranche das Richtige?

          Für Menschen, die unsere Leidenschaft für die stetige Verbesserung von digitalen Spielwelten teilen. Uns treibt die Vision an, den Spielern ein möglichst faszinierendes Unterhaltungsangebot zu liefern. Es ist kein Muss, aber viele bei uns sind selbst Gamer, können sich also in die Perspektive des Spielers gut hineinversetzen. Das internationale, junge und dynamische Umfeld gefällt den Kollegen. Es macht ihnen einfach Spaß, mit den besten Leuten ihres Faches auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten.

          Welche Rolle wird KI in Zukunft in der Gamingbranche spielen? Werden Sie überhaupt noch Entwickler einstellen, die sich nicht damit auskennen?

          Die Bedeutung von KI wird zunehmen. Kaum ein Bereich wird davon nicht berührt werden. Aber natürlich wird es auch künftig noch Rollenprofile geben, bei denen andere Fertigkeiten im Vordergrund stehen.

          Das Interview führte Julia Bröder.

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