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Berufseinstieg E-Health : Mit Stethoskop und Smartphone

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Bild: iStock

Die Zukunft des Gesundheitswesens ist digital. Vieles soll so besser werden. Allerdings steckt E-Health in Deutschland noch in den Kinderschuhen.

          Eine Herausforderung mit Sinn, Möglichkeiten zur Gestaltung und Innovationen – genau das suchte Lena Stede nach dem Abschluss ihres dualen Bachelorstudiums bei der Deutschen Telekom. Die traditionellen Geschäftsfelder des Großkonzerns – Mobilfunk und Festnetz – reizten sie deutlich weniger als die Arbeit für die digitale Division von T-Systems. Dieser Unternehmensteil ist für die Entwicklung von digitalen Produkten und Anwendungen zuständig. Es geht dabei (auch) um Zukunftsthemen: Roboter, Künstliche Intelligenz, vernetzte Fabrik und die digitale Zukunft der Medizin – E-Health genannt. Besonders für Letzteres interessiert sich die junge Betriebswirtin. „Ich habe die Chance, an der Verbesserung des Gesundheitswesens mitzuwirken. Von unseren Ideen könnten Millionen von Patienten profitieren, mich eingeschlossen“, sagt die 23-Jährige. Als Board-Member Support für Geschäftsführerin Anette Bronder kümmert sie sich um interne Freigaben bei neuen Produkten und organisiert den Austausch zwischen Unternehmen und Medizinern oder Versicherungen. 
          Selbst ein Stethoskop zu tragen kam für Stede nie in Frage. Sie hat zwar ein ziemliches gutes Abi, aber kann kein Blut sehen. Trotzdem sind ihre beruflichen Perspektiven in der Gesundheitsbranche ausgezeichnet. Betriebswirte mit medizinischem und technischem Verständnis, Projektmanager und IT-Experten für Big Data, Datensicherheit oder Künstliche Intelligenz sind auch bei E-Health-Unternehmen äußerst gefragt. Gemeinsam mit den Medizinern sollen sie in Zukunft die Versorgung der Patienten verbessern, Kosten im Gesundheitssystem senken und unsere Lebenserwartung weiter erhöhen. 

          OP-Roboter und Videochats

          Passende Zukunftsvisionen gibt es genug, wie Professor Boris Tolg, Medizininformatiker an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), erklärt: „Mit Hilfe von Algorithmen könnten Ärzte zum Beispiel schneller eine Diagnose stellen. Bei Krebserkrankungen oder seltenen Gendefekten könnten sie dafür nach ähnlichen Fällen aus der Forschung suchen.“ Ein sehr aktuelles Anwendungsgebiet sieht Tolg auch in der Telemedizin, nachdem der Ärztetag im Mai ein Ende des Fernbehandlungsverbots beschlossen hat. Gerade in ländlichen Gebieten mit mangelnder ärztlicher Versorgung könnten laut Tolg Mediziner künftig per Telefon oder Videochat eine Diagnose stellen und Patienten auch auf diesem Wege behandelt werden. 
          Ein schon praktizierter Ansatz aus Norddeutschland: Routineaufgaben wie die Messung von Blutdruck oder Zuckerwerten übernehmen die Arzthelferinnen vor Ort, der Arzt schaltet sich per iPad oder Smartphone nur kurz dazu und bespricht die Werte und die Medikation mit dem Patienten. Damit nicht genug: Weltweit arbeiten Forscher und Medizintechnikunternehmen an hochpräzisen Robotern, die Hand in Hand mit Chirurgen am OP-Tisch stehen, oder an smarten Prothesen aus dem 3D-Drucker. Digitale Medikationspläne und vollautomatische Apotheken könnten die Vergabe von Medikamenten überwachen und vor gefährlichen Wirkstoffkombinationen warnen. Die sind gerade für betagte Patienten sehr gefährlich. Es gibt Schätzungen, wonach jährlich rund 25.000 Patienten an den Folgen falscher Medikation sterben. Auch erste Apps, die chronisch-kranke Menschen bei ihrer täglichen Therapie unterstützen, drängen auf den Markt – sie messen Blutzucker, erinnern Patienten an die Einnahme von Medikamenten oder an Übungen für die Beweglichkeit. 

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