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Stiftungen als Arbeitgeber : Arbeiten mit Sinn

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Das Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück: Hier können sich Interessierte in Ausstellungen und bei anderen Veranstaltungen über aktuelle Umweltthemen informieren. Bild: (c) dpa - Report;

Rund 23.000 Stiftungen gibt es in Deutschland. Dabei gleicht keine der anderen. Was sie trotzdem alle eint: ihre Attraktivität als Arbeitgeber – und der Anspruch, gesellschaftlich etwas zu bewegen und zu bewirken.

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          Einmal im Jahr vergibt die Karl-Kübel-Stiftung für Kinder und Familie mit Sitz im hessischen Bensheim den Fair-Wandler-Preis. Geehrt werden an dem Abend junge Menschen, die sich nach einem Auslandsaufenthalt für eine gerechte Welt einsetzen. Ganz im Sinne Karl Kübels, der zu seinen Lebzeiten sozial engagierte Unternehmer und überzeugter Christ war, geht es darum, junge Menschen in ihrem Engagement zu bestärken. Die Förderung von zivilgesellschaftlichem Engagement, wie sie die Karl-Kübel-Stiftung neben dem Fair-Wandler-Preis in mehr als 80 Projekten im In- und Ausland verfolgt, ist laut Bundesverband Deutscher Stiftungen (siehe Grafik) Stiftungszweck Nummer eins in Deutschland. So engagieren sich etwa 52,2 Prozent der Stiftungen im Bereich Gesellschaft, gefolgt von 34,6 Prozent im Bereich Bildung und 31,9 Prozent im Bereich Kunst und Kultur. Der Förderungsbereich ist immer an den Stiftungszweck gebunden, der mit der Gründung vom Stifter oder den Stiftern festgeschrieben wurde.

          Große Bandbreite an Stiftungen

          „In Deutschland gibt es aktuell rund 23.000 rechtsfähige Stiftungen, und der Bereich wächst weiter an“, weiß Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen in Berlin. „Neben den großen, traditionellen Stiftungen, die teilweise über 100 Jahre alt sind, gibt es einige Stiftungen, die in den Jahrzehnten nach dem Wirtschaftswunder gegründet wurden. Mehr als die Hälfte der Stiftungen in Deutschland bestehen jedoch erst seit der Jahr­tausendwende.“

          „Bei meiner Jobwahl war mir wichtig, dass ich mich mit meiner Arbeit und meinem Arbeit­geber identifizieren kann, dass ich gerne ins Büro gehe. Sportbegeistert, wie ich bin, kannte ich die Deutsche Sporthilfe bereits. Als auf ihrer Website ein Job im Bereich Eventorganisation ausgeschrieben war, der sehr gut zu meinem Profil passte, habe mich beworben.“

Alexander Gölz ist Juniormanager CSR/Events bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Der 28-Jährige hat Sportökonomie im Master in Bayreuth studiert.

          Die Größe von Stiftungen könne stark variieren: nicht nur in puncto Stiftungsvermögen, das bei etwa drei Viertel der Stiftungen unter einer Million Euro liege, sondern auch im Hinblick auf die Mitarbeiterzahl. Die klassischen großen operativen Förderstiftungen, von denen es etwa ein Dutzend in Deutschland gebe, hätten etwa 50 oder mehr Mitarbeiter. So kämen die Robert-Bosch-Stiftung auf rund 200 Mitarbeiter oder die Körber-Stiftung auf 100. Viel häufiger seien mittelgroße Stiftungen mit einer Mitarbeiterzahl von 5 bis 50, von denen es mehrere hundert gebe. Den Großteil der Stiftungen machten allerdings die kleinen Stiftungen mit weniger als fünf Mitarbeitern aus, deren Anzahl Oldenburg auf immerhin mehrere tausend in Deutschland schätzt. Es gelte: „Kennt man eine Stiftung, dann kennt man eine Stiftung – und eben nicht mehr“, so der Stiftungsexperte.

          Attraktiv für Berufseinsteiger

          Gerade die Heterogenität mache den Stiftungsbereich für Menschen vieler Fachrichtungen interessant, sagt Oldenburg. Grundsätzlich suchten Stiftungen meist Generalisten, die sich um Förderanträge kümmern, Projekte beaufsichtigen, Förderer begleiten, Studien schreiben oder die Stiftungen repräsentieren. Entsprechend dem Stiftungszweck sollten diese aber auch eine gewisse Fachexpertise mitbringen. Pädagogen seien in Bildungsstiftungen gesucht, Technikexperten etwa in der Wissenschaftsförderung oder Biologen bei Umweltstiftungen, führt Oldenburg aus. Klar ist, was den Reiz des Arbeitsfeldes ausmacht: Vor allem die Vielseitigkeit des Jobs und das langfristige Sinnangebot machen Stiftungen als Arbeitgeber für junge Leute attraktiv.

          Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Sitz in Osnabrück ist mit einem Fördervolumen von 55 Millionen Euro jährlich und rund 150 Mitarbeitern einschließlich ihrer gemeinnützigen Tochtergesellschaften eine der größten Stiftungen in Deutschland. Seit 1991 fördert sie innovative, lösungsorientierte Modellvorhaben, die im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit Vorbildcharakter haben. Unter anderem wird auch der Deutsche Umweltpreis, der mit 500.000 Euro höchstdotierte unabhängige Umweltpreis Europas, von der DBU vergeben. Weil das Thema Umweltschutz ein gesellschaftliches Querschnittsthema und das Förder­spektrum breit sei, sei die Bandbreite an fachlicher Kompetenz innerhalb der Stiftung vergleichsweise hoch, erläutert Michael Dittrich, Personal- und Verwaltungschef bei der DBU, den breiten Personalbedarf: „Von Ingenieuren, Chemikern, Biologen über Betriebswirte, Juristen, Naturschutzexperten oder Kollegen, die sich mit Flächenmanagement auskennen, bis hin zu Kommunikationsexperten ist alles dabei“, so Dittrich. Auch Berufseinsteiger sind für die Stiftung interessant. „Sie kommen mit neuesten Kenntnissen aus der Wissenschaft zu uns und sind somit ganz nah an Inhalten dran, die für uns in vielen Projekten relevant sind.“

          Im Dialog mit Besuchern

          Nele Richter-Harder ist Geowissenschaftlerin und seit rund zweieinhalb Jahren am Zentrum für Umweltkommunikation, einer gemeinnützigen Tochter der DBU, tätig. Nach ihrem Einstieg auf einer Assistentenstelle wurde die 29-Jährige nach einem Jahr als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Ausstellungsbereich übernommen. Dort ist sie derzeit unter anderem an der Betreuung und Konzeption von neuen Ausstellungen beteiligt. „Die Arbeit ist erfüllend und abwechslungsreich zugleich“, sagt Richter-Harder. Während sie morgens häufig Büroarbeiten erledigt, Telefonate führt, Mails beantwortet und konzeptionell arbeitet, ist sie in der zweiten Tageshälfte mit Besuchern in Kontakt, führt Gruppen durch die Ausstellungen und organisiert Veranstaltungen. „Die Zielgruppe, an die wir uns mit unserer Arbeit richten, ist sehr breit“, sagt sie. Vor allem überzeugt sie an der Arbeit, dass sie den Leuten, die in die Ausstellungen kommen, etwas weitergeben kann: „Bei meiner Arbeit geht es darum, mir Gedanken zu nachhaltiger Lebensgestaltung zu machen. Indem wir die Ideen in die Ausstellungen einbringen, erreichen wir viele Menschen. Das ist eine wunderbare und vor allem sinnvolle Aufgabe.“ Bleibt nur ein Wermutstropfen – nämlich der, dass ihre Stelle derzeit befristet ist.

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