https://www.faz.net/-i7g-9gi2j

New Work im Consulting : Sinnhaftigkeit ist der neue Dienstwagen

  • -Aktualisiert am

Attraktiv bleiben: mit kreativ gestalteten Firmenräumen anstelle von fest installierten Schreibtischen und die aktive Einbeziehung von Künstlern und Kunstthemen in den Arbeitsprozess wirbt das Consultingunternehmen Diffferent um Young Professionals. Bild: Diffferent

Kreativ und unternehmerisch denken – zwei Aspekte, die die Arbeit von Beratern immer stärker prägen. Wie verändert sich Consulting?

          In paar Tage abtanzen im legendären Ballermann 6 auf Mallorca, komplett bezahlt und mit vollem Gehaltsausgleich vom Arbeitgeber? Was sich wie der Traum eines jeden Angestellten anhört, ist bei der 80-köpfigen Strategieberatung Diffferent aus Berlin ein Stück Normalität. Einzige Bedingung für die Großzügigkeit der Chefs: Die Mitarbeiter sollen von dem Trip mit neuen Ideen zurückkommen, die das Unternehmen weiter voranbringen. Die Vorgehensweise trägt Früchte. Diffferent ist vielseitig aufgestellt. „Unser Portfolio reicht von Start-up-Coachings bis zur strategischen Weichenstellung im Dax-Konzern“, schildert Firmengründer Alexander Kiock die Stärken der Consultingagentur. „Dabei kommt es darauf an, sowohl analytisch wie eine Unternehmensberatung als auch einfallsreich wie eine Kreativagentur zu agieren.“

          Im Zeitalter der Digitalisierung steht die Consultingbranche vor der Aufgabe, nicht nur optimale Lösungen für die Kunden zu finden, sondern auch selbst vorzuleben, wie zukunftsfähiges Arbeiten heute gehen kann. New Work und mobiles Arbeiten sind dabei zwei der wichtigsten Schlagworte. Bis vor kurzem verstand man darunter lediglich die Ausstattung der Mitarbeiter mit einem Laptop, um in der Bahn oder auf Flughäfen arbeiten zu können, und dazu noch gelegentlich die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Arbeitsweisen, die für Unternehmensberater nicht unbedingt neu sind. Was hat es also mit New Work im Consulting auf sich?

          Work-Life-Balance gewünscht

          „New Work ist in erster Linie eine Kulturfrage und kein Thema über anteilig reduzierte Quadratmeter je Arbeitsplatz“, schildert Fabian Kienbaum, Chief Empowerment Officer der familien- und partnergeführten Kölner Personal- und Managementberatung Kienbaum. „Das bedeutet für die Unternehmen in unserer Branche, dass sie als Arbeitgeber für Mitarbeiter mit arbeitsintensiven Jobs mehr Möglichkeiten schaffen müssen, Familie und Beruf attraktiver zu vereinbaren. Eine Work-Life-Balance ist heute für viele Berater eine erstrebenswerte Alternative zur früheren 24/7-Up-or-Out-Kultur.“ Für Fabian Kienbaum bleibt es dabei aber nicht nur bei dem Wunsch der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Extrem gut ausgebildete Berater sind sich bewusst, welchen Marktwert sie haben. Sie treiben mit einem vorher nicht gekannten Anspruchsdenken Veränderungen in unsere Arbeitswelt. Die neue Mitarbeitergeneration fordert heute ein, den Sinn hinter ihrer Arbeit und damit hinter dem Geschäft ihres Arbeitsgebers zu verstehen“, sagt er. „Im Zentrum steht aus meiner Sicht auch das Interesse der Mitarbeiter am Kundenprojekt – und nicht unbedingt der nächste Karriereschritt. Sinnhaftigkeit in der Arbeit ist der neue Dienstwagen.“

          Bei Capco, einer globalen Unternehmensberatung, die vor allem Digitalisierungslösungen für die Finanzwirtschaft an den beiden deutschen Standorten Düsseldorf und Frankfurt am Main entwickelt, ist Claudia Berens als Human-Resources-Direktorin für die Umsetzung von New-Work-Inhalten verantwortlich. Während früher eher die klassische Powerpoint-Präsentation an der Tagesordnung war und die Berater oft tagelang bei Kunden zubrachten, „wird heute intern schon mal via Whatsapp und SMS kommuniziert. Wir müssen berücksichtigen, dass die junge Generation Flexibilität schätzt und mit diesen Kommunikationsmitteln aufgewachsen ist“, sagt sie. Mehr noch sieht Berens, dass die Berufseinsteiger heute unternehmerisch denken: „Sie sehen sich als Unternehmer im Unternehmen. Das erkennt man daran, dass von den Mitarbeitern viele Verbesserungsvorschläge kommen. Das betrifft unter anderem die Entwicklung von marktrelevanten Lösungen und firmeninternen Prozessen und Systemen sowie die Erarbeitung firmeninterner Trainings.“

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.