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Karriere-Interview : „Geradlinig war es nicht – und definitiv auch nicht geplant“

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Kam das Jobangebot überraschend?

Ja, das Jobangebot kam überraschend, weil ich eigentlich für einen informellen Besuch bei Amazon eingeladen war – und mir gar nicht klar wurde, dass ich in einem Jobinterview bin. Ich war also ziemlich überrascht, als nach den Gesprächen ein Angebot kam. Aber letztlich war es gut so, denn unwissend, wie ich war, führte ich die Gespräche recht entspannt.

Nahmen Sie die Herausforderung ohne Zögern an? Immerhin sollten Sie die KI-Abteilung bei Amazon ganz neu aufbauen …

Ich bin grundsätzlich ein Optimist. Aber ich hatte auch großen Respekt vor der Aufgabe, die ich mir zum Teil ja auch selbst so gestellt hatte. In den Jobverhandlungen hatte ich mich zum Beispiel dafür ausgesprochen, das Team in Deutschland anzusiedeln. Weil ich den Eindruck hatte, dass Berlin zu dem damaligen Zeitpunkt als Talentschmiede völlig übersehen wurde. Aber konnte ich wissen, dass die Leute auch dort arbeiten würden? Ich lebte damals in Mountain View und war – außer zu Besuch – seit zwölfeinhalb Jahren nicht mehr in Deutschland gewesen. Mein Auftrag war es, einen Entwicklungsstandort aufzubauen, für den es noch keinen Unternehmenszweig von Amazon, geschweige denn ein Gebäude oder einen einzigen Angestellten gab. Nach einem Jahr Aufbauarbeit hat sich die Aufgeregtheit dann aber gelegt.

Würden Sie Ihre Karriere als geradlinig bezeichnen?

Nein, geradlinig war sie nicht. Und definitiv auch nicht geplant. Ich habe promoviert und bin dann eher durch Zufall in ein Research-Fellowship reingestolpert – eigentlich auch nur für 18 Monate, aus denen dann elf Jahre wurden. Im Grunde bin ich immer meiner Passion gefolgt. Nach der Stelle als Direktor eines Innovationsteams bei Microsoft habe ich ab 2011 bei Facebook wieder selbst programmiert: Tausende Zeilen von C++-Code für Facebooks Softwaresysteme. Für mich war das kein Rückschritt, nur anders, aber eben nicht der klassische Karriereweg. Ich programmiere gern, auch noch heute in meiner Freizeit. So ging es hin und her von der Wissenschaft zum Gruppenleiter, dann zum Softwareentwickler, zum organisatorischen Leiter und gegenwärtig noch mehr in Richtung Geschäftsführung.

Welche Rolle spielte das Thema Ihrer Doktorarbeit für Ihre berufliche Laufbahn?

Das Thema maschinelles Lernen selbst hat mich direkt nach dem Abschluss natürlich für das Research-Fellowship am Darwin College in Cambridge qualifiziert. Die Methoden der Arbeit werden heute noch angewandt, auch in der Industrie. Doch insgesamt war das Thema wahrscheinlich weniger relevant als die Erfahrungen, die man in der Zeit macht, wie etwa relativ diszipliniert zu arbeiten. Ich habe zum Beispiel im Jahre 2000 meine Doktorarbeit als Buch veröffentlicht. Wer an so einer Sache arbeitet, weiß: So ein Projekt zu Ende zu bringen braucht eine ungeheure Diszi­plin. Diese erlernte Disziplin hilft mir bis heute in vielen Bereichen meiner Arbeit.

Wird Sie das Thema KI bis zum Ende Ihrer beruflichen Laufbahn beschäftigen?

Das ist eine schwere Frage: Begeisterung für das Thema habe ich, seit ich 24 bin – heute bin ich 44. Noch viel schwerer fällt mir allerdings eine Antwort auf die Frage, was etwa in fünf Jahren sein wird. Ich habe immer versucht, das vorherzusagen, und lag immer daneben. Klar ist auf jeden Fall, dass der Schritt hin zu einer KI, die der echten Intelligenz richtig nahe kommt, noch dauern wird. Denn es gibt noch große Herausforderungen, die sich nicht in ein oder zwei Jahren lösen lassen. Wir sprechen hier eher von zehn bis zwanzig Jahren.

Das Interview führte Julia Hoscislawski.

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