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Karriere-Interview : „Geradlinig war es nicht – und definitiv auch nicht geplant“

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Von Berlin nach Berlin: Ralf Herbrich hat in der Hauptstadt promoviert. Im Anschluss arbeitete er zunächst bei Microsoft in Cambridge/England. Nach zwölfeinhalb Jahren im Ausland kehrte er 2012 nach Berlin zurück. Bild: Amazon

Der Berliner Ralf Herbrich ist seit 2012 Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung Künstliche Intelligenz (KI) bei Amazon. Im Interview erzählt er, wie er an die Stelle gekommen ist und warum er seine Karriere nicht als geradlinig bezeichnen würde.

          Herr Herbrich, seit knapp sechs Jahren leiten Sie das KI-Team bei Amazon. Was sind drei typische Aufgaben Ihrer täglichen Arbeit?

          Wir haben eine Menge internationale Veröffentlichungen. Eine typische Aufgabe ist es daher, wissenschaftliche Paper meiner Kollegen zu lesen. Eine zweite sehr typische Aufgabe: mit zumindest einem meiner Mitarbeiter ein längeres Gespräch zu führen. Gerade komme ich beispielsweise vom Lunch mit einem unserer „Principal Scientists“. Der Austausch trägt dazu bei, mit Wissenschaftlern und Softwareentwicklern eine gemeinsame Sicht auf die Projekte zu entwickeln. Eine dritte Aufgabe ist mindestens eine Videokonferenz täglich. Denn mehr als die Hälfte des Teams sitzt nicht in Berlin, sondern in Barcelona, Bangalore und Seattle. Da ist es wichtig abzugleichen, wie die Projekte auch international vorankommen.

          Der Hype um KI wurde in den vergangenen Jahren immer größer. Wie hat sich Ihre Arbeit dadurch verändert?

          Meine Arbeit hat sich sehr verändert. 2012 gab es ein zehnköpfiges Team, das vollständig in Berlin saß. Wir haben in vielen Produkten schon maschinelles Lernen benutzt, aber noch nicht in allen. Inzwischen gibt es weltweit weitere Teams, etwa in Spanien, Amerika und England. Und auch die Palette, in der wir KI einsetzen, hat sich wesentlich vergrößert – sei es bei Alexa, Amazon Web Services, unserem Videobusiness oder im Bereich der maschinellen Übersetzungen für unsere Verkäufer.

          Wie muss man sich die Arbeitsweise Ihrer Forscher vorstellen?

          Im Vordergrund steht nicht die Frage, was gerade das Spannendste im wissenschaftlichen Feld und auf Konferenzen ist, sondern: Jeder Mitarbeiter, der eine Forschungsidee vorbringen will, beginnt damit, die Produktidee vorzustellen, die dadurch ermöglicht würde. Die Forschung ist also von der Produkterfahrung in einem speziellen Kundensegment ausgehend ganz strikt rückwärtsgerichtet. Und so sind dann auch die Teams strukturiert: Beispielsweise gibt es Kollegen, die Händlern bei den Möglichkeiten, ihre Produkte aufzulisten, helfen. Wir haben ein Team, das die angebotenen Bücher reindiziert. Ein weiteres Team beschäftigt sich mit Vorhersagen zur Nachfrage der Produkte. Das heißt, die Strukturierung ist nach Anwendbarkeit der Wissenschaft in der Produkt­erfahrung organisiert.

          Auf welche Fähigkeiten legen Sie bei Berufseinsteigern besonderen Wert?

          Zuverlässig zu arbeiten, anderen gegenüber Vertrauen aufbauen zu können und Teamfähigkeit – das sind zentrale Anforderungen. Wenn jemand noch nicht in den Programmiersprachen Ruby oder Python programmieren kann, ist das erlernbar. Wenn sich jemand aber einfach nicht gut in ein Team integriert, ist es schwierig – das ist nicht so einfach erlernbar. Denn die Wissenschaftler arbeiten viel mit Kollegen in den Produktgruppen, also mit Softwareentwicklern und Produktmanagern, zusammen. Wer kein Vertrauen aufbaut, kann zwar wissenschaftlich die größten Durchbrüche erzielen; letztlich bleibt das aber unbedeutend, wenn sich diese am Ende nicht in einem Produkt materialisieren.

          Mit welchen Ihrer eigenen Kompetenzen haben Sie selbst bei Amazon überzeugt?

          Da kann ich nur spekulieren: Ich hatte, als das Angebot von Amazon kam, schon über 20 Jahre wissenschaftlich im KI-Bereich gearbeitet – in verschiedenen Positionen: als Doktorand, als Postdoktorand und dann bei Microsoft Research und Facebook. Ich konnte eine sichtbare Publikationshistorie vorweisen. Zudem hatte ich mehr als einmal bewiesen, dass ich Ideen und wissenschaftliche Ergebnisse auch in die Praxis umsetzen kann – und ich hatte Leitungserfahrung.

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