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Lehrstuhlnachfolge : Wie wird man Professor, Herr Professor?

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Wie wird man Professor: Früh übt sich

Wer schon im Studium Freude daran entwickelt, akademisch zu arbeiten, interessiert ist und geduldig vor sich hinforschen kann, ist prinzipiell tauglich für die Zukunft als Forscher. „Schon als Student sollte man daher anfangen, viele Paper zu lesen, und üben, selbst zu schreiben“, rät Stefan Luschnig, Professor an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Der 45-jährige Biologe hat jüngst seine erste Professur am Münsteraner Exzellenz-Cluster „Cells in Motion“ angetreten und erforscht nun, unter welchen Umständen sich Gefäßstrukturen in Lebewesen verästeln. Er ist Professor auf Lebenszeit. Zwar veröffentlichen nur die wenigsten Studenten schon während ihrer Studentenzeiten eigene Paper, aber mit dem Startschuss einer Promotion sollte man mit dem Veröffentlichen beginnen, meint Luschnig. „Es braucht Zeit und viel Praxis, so schreiben zu können, dass ein Aufsatz später als akademische Veröffentlichung angenommen wird“, sagt der Biologe.

Veröffentlichungen in Fachzeitschriften sind später das A und O, wenn man sich als Wissenschaftler auf eine Professur bewirbt. Der erste Schritt einer Auswahlkommission ist es oftmals, eine Rangliste der Bewerber anhand ihrer Veröffentlichungen zu erstellen. Nur wer dabei weit oben steht, wird überhaupt für den Lehrstuhl in Betracht kommen. Dabei zählt nicht unbedingt nur die Quantität. Es braucht auch nicht unbedingt eine Premium-Veröffentlichung in Magazinen wie Science und Nature, selbst wenn sich dieser Irrglaube hartnäckig hält. „Entscheidend sind Qualität und Originalität der Veröffentlichungen“, sagt Biologie-Professor Luschnig. Wer um die Ecke denkt und so seinem Forschungsfeld ganz neue Perspektiven eröffnet, hat gute Chancen, später einen Ruf an einen Lehrstuhl zu erhalten. Zudem sind laut Luschnig gerade die Publikationen von großer Bedeutung, die ein Wissenschaftler unabhängig veröffentlicht hat, sprich ohne Doktorvater, ohne Post-Doc-Mentorin in der Co-Autoren-Zeile.

Eine frühzeitige Kür für Studenten ist es zudem, bereits im Studium das Schreiben von Anträgen für finanzielle Mittel zu üben. Dabei geht es oft noch nicht um Forschungsgelder, aber durchaus mal um ein Reise- oder Forschungsstipendium. „Für viele Studenten ist das sehr ungewohnt, doch als Professor wird das Einwerben später zur Hauptbeschäftigung“, sagt Luschnig. „Art und Höhe der Forschungsmittel, die man als Wissenschaftler zugesprochen bekommt, sind ebenfalls ein wichtiges Auswahlkriterium für Berufungskommissionen.“ So gibt es in jeder Disziplin einige prestigeträchtige Fördertöpfe. Wer dort erfolgreich war, schindet Eindruck bei Berufungskommissionen.

Ausdauer zeigen

Auch die Wahl des eigenen Forschungsgebiets kann einen großen Einfluss darauf haben, ob es später mit dem Ruf an einen Lehrstuhl klappt. Wer sich im Studium auf ein bereits weit verbreitetes Hype-Thema spezialisiert, wird sich später einem großem Wettbewerb mit sehr guten Wissenschaftlern aus aller Welt ausgesetzt sehen, sagt der Münsteraner Professor Luschnig. In der Biologie seien das etwa derzeit die Stammzellenforschung oder die Epigenetik. Klar, man könne auch auf diesen Gebieten immer noch großartige Neuerungen erzielen, sagt der Biologe. Doch der Leistungsdruck sei enorm. „Besser man ist davon überzeugt, dass das eigene Thema, an dem man forscht, in Zukunft stark an Relevanz gewinnen kann “, sagt Luschnig. „Viele bahnbrechenden Entdeckungen haben in der Biologie mit dem Interesse einiger weniger Forscher angefangen.“

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