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Nothilfe der Krankenkassen : Im Notfall gut versorgt

  • -Aktualisiert am

Bild: Thinstock/iStock/elenabs

Wer als Student allein lebt und bei Krankheit oder nach einem Unfall Unterstützung im Haushalt benötigt, kann diese bei der Krankenkasse beantragen.

          Manchmal kann es ganz schnell gehen: mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Uni einmal nicht aufgepasst, gestürzt, das Bein ist gebrochen. Solange der Betroffene dann im Krankenhaus liegt, ist er gut versorgt. Doch was passiert, wenn er entlassen wird und weder in einer Wohngemeinschaft noch bei den Eltern noch zusammen mit einem Partner lebt? „Wenn die medizinische Notwendigkeit im Rahmen einer Verordnung bestätigt wird und die Krankenkasse den Antrag genehmigt, hat er in solch einer Notsituation Anspruch auf eine Haushaltshilfe“, sagt Ina Bartels, Rechtsberaterin mit dem Schwerpunkt Sozialversicherung bei der Unabhängigen Patientenberatung. Die gemeinnützige GmbH wird vom GKV-Spitzenverband und dem PKV-Verband finanziert und berät gebührenfrei am Telefon, per Mail oder vor Ort.

          Damit der Übergang vom Krankenhaus nach Hause problemlos läuft, gibt es in den Krankenhäusern das sogenannte Entlassungsmanagement: „Wenn der Arzt in der Klinik im Rahmen dieses Krankenhausentlassungsmanagements die medizinisch zwingende Notwendigkeit feststellt und keine Versorgung zu Hause gewährleistet ist, wird die Verordnung von der Klinik ausgestellt“, erklärt Bartels. Der Antrag muss dann allerdings noch bei der Krankenkasse zur Überprüfung eingereicht werden. Ist die Haushaltshilfe genehmigt, kauft sie ein, kocht oder übernimmt den Wohnungsputz – eben all die Dinge, die man mit einem gebrochenen Bein oder einer anderen schlimmen Erkrankung nicht selbst erledigen kann. Die Zuzahlungskosten liegen dabei bei fünf bis maximal zehn Euro. Wer eine Haushaltshilfe wegen Schwangerschaftsbeschwerden oder direkt nach der Geburt seines Kindes benötigt, muss übrigens nichts dazuzahlen. Unter Umständen können sich Studenten außerdem auf Antrag von Zuzahlungen befreien lassen.

          In schweren Fällen auch Krankenpflege möglich

          Eventuell müssen auch Verbände gewechselt werden, oder der Patient braucht regelmäßige Spritzen, die er sich nicht selbst geben kann. „In diesen Fällen stellen die Krankenkassen eine häusliche Krankenpflege“, so Bartels weiter. Diese kommt je nach Verordnung einmal am Tag oder auch öfter und hilft dem Betroffenen auch dabei, sich zu waschen. Hier muss der Versicherte pro Verordnung zehn Euro dazuzahlen. Hat es jemanden schlimmer getroffen und kann er nach einem Klinikaufenthalt nicht allein zu Hause sein und sich nicht selbst versorgen, weil er möglicherweise zu schwach ist, um aufzustehen, dann gibt es außerdem die Möglichkeit der Kurzzeitpflege. Hier liegt der jährliche Höchstbeitrag, den die Krankenkasse übernimmt, allerdings bei 1.612 Euro.

          Ist beim Fahrradunfall auch noch ein Zahn herausgebrochen, greift zunächst die Regelversorgung der Krankenkasse. „Hier hat es jeder Versicherte selbst in der Hand, wie hoch der Zuschuss von der Krankenkasse ist“, sagt Bartels. Denn wer regelmäßig zur Vorsorge geht und sich den Besuch beim Zahnarzt bescheinigen lässt, bekommt in solchen Notsituationen mehr als andere, die nie beim Zahnarzt waren. Allerdings ist Zahnersatz teuer, und gerade Studenten und Berufseinsteiger haben häufig nicht viel Geld. „Für diese Fälle gibt es eine Härtefallregelung. Versicherte können den doppelten Zuschuss bekommen“, sagt die Sozialversicherungsexpertin. Diese Regelung kann übrigens auch greifen, wenn es darum geht, Arzneimittel zu bezahlen. Allerdings muss dazu jeweils ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden.

          Akutsprechstunden bei Depressionen

          Auch psychische Erkrankungen sind bei jungen Menschen nicht so selten. So konstatierte die Techniker Krankenkasse in ihrem Gesundheitsreport 2015, der Studierende im Fokus hatte, dass laut Statistik gut 7 Prozent der Studierenden schon eine Depression hatten, bei den Studentinnen waren es sogar 10 Prozent. „Seit 2017 gibt es einen Anspruch auf eine Akutsprechstunde“, erklärt Bartels. Damit sei zwar nicht sichergestellt, dass der Patient im Anschluss direkt eine therapeutische Behandlung bekommen könne. Aber immerhin finde zeitnah zur Diagnose ein erstes Gespräch statt, in dem man einen Therapeuten näher kennenlernen und prüfen könne, ob er zu einem passt. „Für die spätere Therapie benötigt man eine ärztliche Verordnung“, so Bartels, „aber noch nicht für die Akutsprechstunde. Dort muss man nur seine Krankenversichertenkarte vorlegen.“

          Übrigens spielt es kaum eine Rolle, bei welcher Krankenversicherung man Mitglied ist. „Die Leistungen sind gesetzlich geregelt“, sagt Bartels. Trotzdem gibt es kleine Unterschiede: Manche Krankenkassen bieten zusätzlich Mehrleistungen wie beispielsweise Gesundheits- oder Bonusprogramme an. Doch für die Notfallleistungen sind sie nicht relevant. Nur wer eine Versorgung möchte, die über das Notwendige hinausgeht, sollte über eine private Zusatzversicherung nachdenken. Die kostet dann zwar extra – dafür muss man im Notfall nicht das Krankenzimmer mit mehreren anderen teilen.

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